Prototyp: Ja, Praxistauglich: Nein.
Da habe ich mir auch mal wieder ein Gadget aus purer Neugier angeschaft. Dieses mal war es die Moto 360, weil ich einfach wissen wollte, was steckt denn nun wirklich drin. Nachdem sogenannte „Wearables“ oder „Smartwatches“ in aller Munde sind. Um es gleich Vorweg zu nehmen: Es ist einfach ein technischer Prototyp, der schon verkauft wird. Meine kurze Praxiserfahrung hat mir gezeigt, dass sie nichts von dem hält, was ich/man davon erwarten würde. Die Gründe dafür werde ich gleich nennen.

Mehr als nur eine Uhr ?
So werden die Geräte ja verkauft. Ein „second Screen“, der den einen oder anderen Griff zum Smartphone überflüssig macht. Mich mit Infos versorgt, die mich interessieren und nützlich für mich sind usw. Und mit der Uhr sollte ich ja sogar interagieren können, egal ob touch oder voice, schöne Vorstellung. Viele Hersteller springen ja inzwischen auf diesen „Zug“ auf. Von den Milliarden Umsätzen, die da prognostiziert werden für die Zukunft, gar nicht zu sprechen. Da hat es mich nun auch mal wieder überkommen, zu sehen, was nun wirklich dahinter steckt.

4 Tage rumspielen, ausprobieren
Die Inbetriebnahme war simpel, die Kopplung mit dem Smartphone und der nötigen App war schnell erledigt. Und wie es so ist, man fingert einfach mal auf einem Touch-Device rum, swiped hier, wischt da und probiert auch das Starten via Sprach-Befehl mal aus. Und da hatte ich auch einen meiner ersten „Herzklopf“-Momente (welche die Uhr bestimmt auch schön aufgezeichnet hat ;-). Ne Nachricht via SMS mit der Uhr verschicken klingt doch nett. Also losgebabbelt, Empfänger, Nachricht… und dann wurde auch gleich scharf geschossen, ohne Warnung oder Rückfrage. Ich war ja heilfroh, dass die Uhr meinen ausgesprochenen Empfänger mit meinem Neffen identifizierte, und die eher nicht jugendfreie Nachricht auch bei Ihm ankam. Das ganze ging so schnell, dass ich Ihn als Empfänger noch mit einem Auge auf dem Display wahrnemen konnte, bevor es hies „Nachricht wird versendet“. Au backe, wenn die Sprach-Erkennung da nicht richtig gematched hätte, ich will gar nicht drann denken. Und wie „zuverlässig“ die ist, damit habe ich auch schon auf dem Tablet bekanntschaft gemacht. Das ist auch nicht so der Oberbrüller.

Nach der ganzen Rumspielerei war es natürlich auch kein Wunder, dass die Batterie bereits am frühen Abend die Grätsche gemacht hat. Bei soviel „Screen-On“ Zeit hatte ich aber auch nicht mit etwas anderem gerechnet. Das Aufladen im Dok find ich ganz ok, ich lege ja meine klassische Armbanduhr Nachts sowieso auf den Nachttisch. Da bin ich auch froh, dass ich die Uhr nur auf’s „Dock“ legen muss dank drahtlos Ladefunktion (und nicht zum Fummeln mit Kabeln gezwungen bin).

Und so kamen die nächsten Tage, wo ich auch Funktionen wie Musiksteuerung (Google Play, XBMC ^^) Notizerfassung, Taschenrechner, Herzfrequenz-Gesundheitskram ausprobierte. Und es hat mich wirklich nicht von den Socken gehauen. Der gestrige Tag, war dann für mich ein „Real-Live“ Test, wo ich einen Termin in Zürich City hatte. Bevor ich aus dem Haus ging, schaute ich mir den Termin noch kurz auf dem Tablet in meinem google – Kalender an, und lies mir schnell eine Route „berechnen“. Super, öffentlicher Verkehr wird ja sogar bei uns inzwischen mit Abfahrtszeiten, Buss & Bahnnummern angezeigt. Ich mache das eigentlich immer so, wenn ich wohin muss, damit ich ’ne Ahnung habe, wie ich denn „Fahren,Laufen“ muss. Also nahm ich den Buss zum Bahnhof und hüpfte dort auf den Zug, so wie es google mir vorgeschlagen hatt. Praktischerweise konnte ich meine Musik über die Uhr steuern und hörte so einen „auf gut Glück“ – Mix von google play. Zwischen drinn erschienen auch Infokarten zu google+-Beiträgen bei denen ich meinen Senf dazugegeben hatte oder ’ne SMS-Nachricht (die ich aber für so unwichtig hielt, dass ich sie nicht gleich beantworten wollte).

Als ich in Zürich ankam, war der Moment da, wo ich gehofft hatte, dass mir die Uhr echt nützlich sein könnte. Ich stand da am Bahnhof, und wusste natürlich nicht mehr auswendig, welches Tramm/Strassenbahn ich denn wohin nehmen muss. Die Uhr erinnerte mich sogar daran, in 10 Minuten Termin bei bla bla bla. Schön, dachte ich mir und wunderte mich, wie ich denn jetzt die Navigation starte. Hmm… wieso kann ich keine Navigation von der Terminanzeig starten ? Grummel… EY GOOGLE, DU WEISST WO ICH MOMENTAN BIN, DU WEISST WO ICH HIN MUSS. DU ERINNERST MICH SOGAR DARAN. ALSO WIESO GIBST DU MIR NICHT GLEICH EINE MÖGLICHKEIT, DIE NAVIGATION DORTHIN ZU STARTEN ?!?!?!?…. Aber ne, das wäre ja zu offensichtlich. Und ja, man könnte die Uhr anquatschen um die Navigation nach da und da zu starten. Aber bei dem Strassenlärm werde ich mich doch nicht lächerlich machen und meine Uhr mehrmals anbrüllen, nur damit die mich versteht. Also wieder Smartphone hervorgekramt und den Termin geöffnet, über den ich dann via google maps wieder ’ne Route mit dem öffentlichen Verkehr fand und so dann auch wusste, welches Tram ich nehmen musste. Mit dem Tram am Zielort angekommen noch ein paar Meter zu Fuss. Aber, ähm…in welche Richtung ? Das selbe Spiel wie bereits am Bahnhof. Turn-by-Turn Navigation auf der Uhr, zu Fuss, klingt wirklich praktisch. Existiert hat es bei mir nicht :/ Angekommen bin ich dann trotzdem noch, wofür hat man ’nen Smartphone ^^

Während der Besprechung zeigt mir die Uhr dann auch ’ne Infokarte, dass es 45 Minuten dauert um von hier Nachhause zu kommen, MIT DEM AUTO!!. Ähm, ich bin aber zu Fuss mit dem ÖV hier, halllloooo?!?! Aber wenigstens erhalte ich jetzt gleich die Möglichkeit die Navigation zu starten (Das wollte ich eigentlich vorhin, als ich am Bahnhof stand!!!)…. danke, setzen, 6.

Fazit: Nice try
Auch wenn ich ein Technikverliebter Mensch bin, aber sowas würde ich keinem meiner Freunde/Bekannten empfehlen. Und ich bin auch fest davon überzeugt, dass die anderen Hersteller nicht besser abschneiden würden. Ob ich sie desswegen in die Schublade schmeisse und wieder meine klassische Armband Uhr anlege ? Nö, wieso denn auch. Die Batterielaufzeit reicht für mich, wenn ich denn nicht mehrere Stunden am Stück damit rumspiele. Und vielleicht lerne ich auch noch, wie ich die Sätze richtig „Baue“, damit mich die Uhr versteht, wenn ich ihr ein Kommando gebe. Ähm, momentmal, eigentlich müsste doch die Technik von mir lernen und nicht umgekehrt?!?!?! Na ja, anderes Thema ^^ Das ganze ist für mich mehr ein Blick in eine Mögliche Zukunft, und ich hätte ja auch wirklich das eine oder andere Anwendungszenario… nur, praxis-tauglich ist es in meinen Augen noch nicht.

 

That’s all folks! 😉